2.23 Zusammen leben - Alleine sterben, Teil 1-Transcript

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Dies ist eine freie Übersetzung des Original-Transcripts und kann daher von der synchronisierten Episode abweichen!


Inhaltsverzeichnis

Inselabschnitt

Die Folge beginnt dort, wo die vorherige endete. Am Strand herrscht aufgeregtes Chaos, denn tatsächlich steuert dort ein weißes Segelboot auf die Insel, auf das Camp, zu. Die Leute rennen auf das Wasser zu, starren aufs Meer hinaus, rufen, jubeln und winken.

Charlie: Sind wir gerettet?

Jack ist der erste, der seine Schuhe auszieht und ins Wasser springt. Sawyer reißt sein Hemd herunter und springt hinterher. Auch Sayid folgt. Während die drei Männer auf das Boot zuschwimmen, versucht Kate mit einem Fernglas einen näheren Blick darauf zu werfen.

Charlie: Siehst du irgendwas?

Kate: Nein.

Charlie: Vielleicht ist das eine Falle...?

Hurley: Was meinst du damit, eine Falle?

Charlie antwortet nicht, und auch Kate sieht angespannt aus. Um sie herum tobt die Begeisterung.

Jack, Sayid und Sawyer erreichen das Boot, klettern langsam und vorsichtig an Deck. Nichts und niemand ist zu sehen. Jack zieht eine Waffe hervor, entsichert sie. Auch die beiden anderen haben Waffen dabei.

Von irgendwoher klingt leise Musik. Sawyer sieht Jack an.

Sawyer: Hörst du das??

Jack nickt. Die drei tauschen einen Blick, gehen näher an die Kajütenluke heran.

Plötzlich zerreißen Schüsse die Luft. Aus der Kajüte heraus. Jack, Sayid und Sawyer gehen in Deckung. Warten, tauschen alarmierte Blicke.

Und dann verhallen die Schüsse, und alles, was von unten noch zu hören ist, ist das erfolglose Klicken des Abzugs und eine frustrierte gedämpfte Stimme.

Stimme: Oh, verdammt...!

Jack, Sayid und Sawyer sehen auf, gehen langsam mit gezückten Waffen auf die Kajütentür zu. Und reißen sie auf.

Die Waffen nach unten in die Kajüte gerichtet, starren sie in das Boot hinein. Dort sitzt Desmond auf dem Boden, sein leeres Gewehr im Schoß und eine fast ebenso leere Schnapsflasche in der Hand, sieht zu ihnen hinauf. Und grinst Jack an.

Desmond: Du...

Es ist Abend geworden im Camp. Dort herrscht immer noch aufgewühltes Chaos. Die Leute stehen um Kate herum und bombardieren sie mit aufgeregten Fragen. Kate versucht zu beruhigen und gleichzeitig zu entkommen.

Kate: Okay, okay, wartet mal einen Moment, okay? Ich bin gleich wieder da.

Sie wendet sich ab, geht zu Jack hinüber, der etwas abseits einen Teller füllt.

Kate: Die müssen alle erfahren, was hier vor sich geht, Jack. Da ist ein Boot...

Jack: Sag ihn einfach, daß Desmond wieder da ist, bis ich mehr weiß, okay?

Er läßt sie stehen, geht mit dem Teller zu Desmond hinüber. Der liegt halb auf dem Boden neben einem kleinen Feuer, die Schnapsflasche noch immer fest in der Hand, und starrt in die Flammen. Jack hält ihm den Teller hin. Doch Desmond sieht nicht einmal auf. Jack seufzt und setzt sich zu ihm.

Jack: Also, bevor du abgehauen bist, ich schätze mal, du hast einfach vergessen zu erwähnen, daß du immer noch ein Segelboot besitzt.

Desmond antwortet nicht.

Jack: Wieso bist du zurückgekommen?

Desmond: [Er lacht spöttisch auf] Denkst du das war meine Absicht? Ich bin zweieinhalb Wochen Richtung Westen gesegelt mit 9 Knoten. Ich hätte nach weniger als einer Woche in Fidschi ankommen müssen. Aber das erste Stückchen Land, das ich sah, war nicht Fidschi, oder? Nein. Nein, es war das hier, diese... diese Insel. Und weißt du wieso? [Er sieht Jack an, starrt, grimmig und bitter und auch ein bißchen verrückt.] Weil das alles ist. Das hier ist alles, was übrig ist – dieses Meer und dieser Ort hier. Wir stecken in einer verdammten Schneekugel fest! Es gibt keine Welt mehr ringsum. Es gibt kein Entrinnen! Also... geh einfach, ja? Laß mich trinken.

Er hebt die Flasche an die Lippen und trinkt. Frustriert, nahezu verzweifelt. Jack beobachtet ihn nachdenklich, doch er sagt nichts mehr. Und als er Sayid ganz in der Nähe erblickt, steht er auf, um zu ihm zu gehen. Desmond ruft ihm nach.

Desmond: Drückt ihr immer noch drauf?

Jack bleibt stehen, lacht halb spöttisch, halb verlegen.

Jack: Ja, wir drücken immer noch drauf.

Desmond nickt, trinkt wieder einen Schluck und starrt grimmig vor sich ins Feuer.

Rückblick

Desmond, mit kurzem Haar, steht vor einem Tresen und beobachtet mit regloser Miene, wie ein Gefängniswärter ihm seine persönlichen Gegenstände wieder aushändigt. Der Wärter betrachtet jedes einzelne Stück ausgiebig und betont.

Wärter: Ein Schlüsselbund... [Er legt es auf den Tresen.] Eine Taschenuhr, vergoldet... ein Foto... [Desmond sieht auf das Foto herunter. Es ist dasselbe, das er später eingerahmt in der Dharma-Station bei sich hatte. Er und eine blonde Frau stehen Arm in Arm zusammen und lächeln glücklich in die Kamera. Desmond nimmt das Bild und packt es zu seinen anderen Sachen in eine Tüte. Der Wärter fährt fort.] Ein Buch... "Unser gemeinsamer Freund". Wieso haben Sie das nicht mit reingenommen?

Desmond: Um der Versuchung zu widerstehen, Bruder. Ich hab alles gelesen, was Mr. Charles Dickens je geschrieben hat – jedes einzelne wundervolle Wort, jedes Buch. Außer diesem hier. Ich hebe es mir auf. Damit es das letzte sein wird, das ich lese, ehe ich sterbe.

Wärter: Nette Idee. Solange Sie nur wissen, wann Sie sterben werden. [Er stempelt das Wort "Entlassen" auf einige Unterlagen. Sieht Desmond ernst an.] Obergefreiter Desmond David Hume, Ihr Strafmaß ist hiermit abgeschlossen, und Sie sind von nun an und für immer unehrenhaft aus dem königlich schottischen Regiment der Wehrmacht Ihrer Majestät entlassen. Lang lebe die Königin. [Er wendet sich ab.] Viel Spaß mit Ihrem verdammten Buch.

Desmond verzieht keine Miene, bleibt weiter ernst und still. Gleich darauf verläßt er die Garnison. Dort am Straßenrand steht ein Wagen. Wartet. Auf ihn. Desmond bleibt stehen. Ein Mann, Charles Widmore, sitzt darin und kurbelt das Fenster herunter.

Widmore: Mitfahrgelegenheit gefällig?

Desmond starrt ihn an.

Desmond: Nicht mit Ihnen.

Widmore: Steig in den Wagen.

Tatsächlich steigt Desmond ein, bemerkt, kaum daß er auf der Rückbank sitzt, zwei Kartons auf dem Sitz.

Desmond: Haben Sie mir ein Geschenk mitgebracht?

Widmore: Genaugenommen zwei Geschenke. In einer dieser Kisten steckt deine Vergangenheit, Hume... in der anderen deine Zukunft. Na los. Mach sie auf.

Nach einigem Zögern öffnet Desmond unwillig einen der Kartons. Er ist bis zum Rand mit Stapeln von handgeschriebenen Briefen gefüllt. Sie alle sind an Miss Penelope Widmore gerichtet. Absender ist niemand anderer als Desmond selbst. Geschockt und bestürzt starrt er die Briefe an. Dann Widmore. Mit verzweifeltem Abscheu.

Desmond: Sie sind ein Mistkerl, wissen Sie das?

Widmore: [Ungerührt] Die Tatsache, daß sie deine... Empfindeleien nie bekommen hat, ist gut für sie – gut, da sie glaubt, daß du sie aufgegeben hast, und genau so wird es auch bleiben.

Desmond: Wird es das?

Widmore: Penelope sieht nach vorn, Hume. Sie wird heiraten. [Er klappt die zweite Kiste auf. Die ist bis zum Rand mit Geld gefüllt.] Das hier ist für dein neues Leben... Weit weg von meiner Tochter. Die Konditionen sind einfach. Kein Kontakt. Keine Anrufe, keine Post. Du läufst einfach... weg, Desmond.

Desmond: Und wieso glauben Sie, ich würde einfach weglaufen?

Widmore: Weil du ein Feigling bist.

Inselabschnitt

Jack und Sayid mit einer Fackel in der Hand gehen am nachtfinsteren Strand entlang.

Sayid: Auf dem Weg zur Beerdigung sagte ich dir, daß Michael einen Kompromiß mit den anderen eingegangen wäre, und du fragtest mich, wie wir uns das zu Nutze machen könnten. Ich glaube, das Schicksal hat uns eine Antwort gegeben... das Boot.

Jack: Das Boot?

Sayid: Dieses Camp, zu dem Michael euch führt, quer über die Insel... da werden sie die Falle aufgebaut haben. Während Michael euch über Land führt, kann ich viel schneller über das Wasser herankommen und unentdeckt an Land gehen.

Jack: An Land gehen und was genau tun?

Sayid: Sie auskundschaften, ihre Anzahl, ihre Positionen, ihre Waffen... Dann werde ich zum nächsten Strand gehen und hiermit ein Signalfeuer entzünden. [Er hält ein paar fleischige Blätter hoch] Sie verbrennen mit schwarzem Rauch. Du und dein Team werden mich beim Signal treffen... und dann gehen wir zusammen rein.

Jack: Wir sind doch noch nichtmal sicher, ob Michael von ihnen wirklich eingewickelt wurde.

Sayid: [Fest] Er wurde eingewickelt.

Jack sieht Sayid nachdenklich an, nickt dann.

Jack: Ich muß Kate und Hurley und Sawyer erzählen, was wir tun –

Sayid: Nein. Michael darf nicht mal ahnen, daß wir wissen, daß er lügt. Alles was wir haben, ist der Überraschungsmoment, Jack. Im Augenblick ist deine einzige Aufgabe, es geheim zu halten.

Jack ist wenig begeisterz von dieser Aufgabe. Doch er willigt ein. Deutet auf die Blätter.

Jack: Schwarzer Rauch, hm?

Sayid: Diesmal... werden sie wissen, daß wir kommen.

Locke, ohne Krücken und noch ein bißchen wackelig auf den Beinen, betritt die Dharma-Station. Dort findet er Eko vor dem Computer und geht zu ihm hinüber. Der Timer steht bei 005:00 Minuten.

Eko: Hallo John. Wo bist du gewesen?

Locke: Ich hab nachgedacht.

Eko: Worüber?

Locke: Darüber, daß dieser Computer in einer Minute zu piepen anfangen wird, und wenn er das tut, wirst du ihn piepen lassen. Du wirst den Timer runter bis auf Null laufen lassen... über die Null hinaus... und du wirst den Knopf nicht drücken.

Eko: Aber ich werde den Knopf drücken. Wieso sollte ich das auch nicht?

Locke: Weil du kein Sklave sein willst.

Eko: [Grimmig] Ich bin nichts und niemandem ein Sklave.

Locke: [Hitzig] Du bist dem hier ein Sklave. [Er deutet aufgebracht auf den Timer.] Genau wie ich es war. Also werde ich es dir noch einmal sagen. Drück nicht drauf!

Eko: Sag du mir nicht, was ich tun soll.

Schon geht der Alarm los, und Eko wendet sich dem Computer zu, will die Zahlen eingeben. Locke versucht ihn aufzuhalten, schnappt sich Ekos Stab und versucht auf den Computer einzuschlagen. Eko fährt dazwischen, kann ihn bremsen, packt ihn, ringt mit ihm. Locke wehrt sich verbissen, ist völlig außer sich.

Locke: Du kannst den Knopf nicht drücken!

Dock Eko überwältigt ihn, drückt ihn zu Boden, wo Locke atemlos liegenbleibt, Eko lange genug Zeit gibt, den Knopf zu drücken. Der Timer springt zurück auf 108:00. Der Alarm verstummt. Und Eko packt Locke und schubst ihn aus dem Raum. Locke wehrt sich und brüllt. Doch gegen Eko kann er nichts ausrichten.

Locke: Nein, er ist nicht echt! Wir sind nur Marionetten... Marionetten an Fäden! Solange wie wir draufdrücken, werden wir nicht frei sein können!

Eko: [Schubst ihn vor die Tür in den Dschungel hinaus.] Jetzt bist du frei, John. Komm nicht wieder zurück.

Locke: Nein!!

Doch Eko knallt ihm die Tür vor der Nase zu.

Am nächsten Morgen packt Jack am Strand seine Sachen zusammen. Die kleine Truppe bestehend aus ihm, Kate, Sawyer, Hurley und Michael, hat sich zum Aufbruch gesammelt. Und Jack händigt Waffen aus. Michael nimmt seine entgegen. Hurley jedoch weigert sich.

Hurley: Kommt nicht in Frage. Wenn ich die nehme, werde ich jemanden umbringen.

Sawyer: Ist das nicht der Sinn der Sache?

Hurley: Ich dachte der Sinn der Sache wäre, Walt zurückzuholen.

Sawyer sagt dazu nichts. Jack gibt auch Kate eine Waffe. Bemerkt ihren nachdenklichen, fast bedrückten Blick.

Jack: Was ist los?

Kate: [leise] Das ganze Zeug, das wir in der Medizinstation gefunden haben... Kostüme, Make-up, falsche Bärte... Was wenn diese Leute uns nur glauben machen wollen, sie wären Hinterwäldler?

Jack sieht sie an, hin und hergerissen, zögernd. Michael fährt dazwischen, er klingt aufgebracht wie immer.

Michael: Hör zu, hör zu, ich war da. Ich hab sie gesehen. Das sind Hinterwäldler. Die leben in Hütten. Die essen Fisch. Die haben wahrscheinlich noch mehr Angst als wir, und sie haben keine Ahnung, daß wir auf dem Weg zu ihnen sind.

Sawyer: In Ordnung, genug gequatscht. Gehen wir.

Und sie brechen auf. Michael voran, dann Sawyer, dann Jack und Kate, noch immer zögernd, am Schluß Hurley.


Desmond hockt vor seinem Boot am Strand und sammelt seine Habseligkeiten daraus zusammen. Das Boot trägt den Namen Elizabeth. Sayid kommt zu ihm.

Sayid: Ich brauche dein Boot.

Desmond: Ich würde meine Zeit nicht verschwenden. Da draußen gibt es nichts, Kumpel.

Sayid: Ich will nicht nach da draußen. Ich muß zur Nordküste der Insel, und das schnell.

Desmond: Auf, um den Feind zu sehen, ja?

Sayid: Den was?

Desmond: Weißt du was? Ignoranz ist Glückseligkeit. [Er schüttelt spöttisch den Kopf, steht auf, wendet sich zum Gehen, überlegt es sich anders und läßt sich in den Sand fallen.] Das Boot gehört ganz dir, Bruder. Auf all das Gute, das es dir tun wird. [Sein Freund die Schnapsflasche ist immer noch an seiner Seite, und er nimmt einen langen grimmigen Schluck.]

Sayid: Ich kann nicht segeln.

Desmond: Dann schlage ich vor, du suchst dir jemanden, der es kann.

Rückblick

Desmond, wieder mit kurzem Haar, steht in einer Kaffeebar an der Kasse.

Desmond: Gib mir einfach den mit dem meisten Koffein drin, Bruder. [Er klappt sein Portemonnaie auf.] Oh, verdammt. Äh... tut mir leid. Ich bin hier gerade erst angekommen... und ich hab all mein amerikanisches Geld für mein Taxi ausgegeben...

Jemand nähert sich von hinten und legt Geld auf den Tresen.

Es ist Libby.

Libby: Ich mach das schon.

Desmond: [Überrascht und verlegen] Das ist nicht nötig.

Libby: Das sind doch nur 4 Dollar.

Desmond: Ich nehme nicht an, daß Sie noch 42.000 mehr von denen haben, oder?

Libby: Kommt drauf an wofür.

Desmond: Das war ein Scherz.

Libby: [Schmunzelnd] Nein, war es nicht.

Desmond sieht sie an. Libby lächelt.

Gleich darauf sitzen die beiden zusammen an einem der Cafetische. Libby betrachtet eine Broschüre über ein Segelrennen. Auf der Rückseite gibt es ein kleines Bild von Charles Widmore.

Libby: Ein Solorennen um die Welt?

Desmond: Mir bleiben noch 8 Monate, um in die beste Form meines Lebens zu kommen. Aber ich sag Ihnen was, Miss. Ich werde gewinnen.

Libby: Und was bekommen Sie, wenn Sie es tun?

Desmond: Was wirklich wichtig ist... ist, für wen ich es gewinne. [Er deutet auf das Foto.]

Libby: Charles Widmore...

Desmond: Er wollte mich bestechen, und als ich sein Geld nicht annehmen wollte, nahm er mir das einzige auf der Welt, das... mir je wirklich etwas bedeutet hat.

Libby: [Verständnisvoll lächelnd] Wer ist sie?

Desmond: Seine Tochter. Ich war ungeeignet, in mehreren Bereichen.

Libby: Und wofür sind die 42 Riesen?

Desmond: Es ist noch ein bißchen komplizierter. Bisher habe ich nicht wirklich ein Boot. [Zum ersten Mal erlischt Libbys symphathisches Lächeln. Sie sieht fast bedrückt aus, und Desmond bemerkt es erschrocken.] Entschuldigung, hab ich was falsches gesagt?

Libby: Ich hab ein Boot. [Desmond horcht überrascht auf.] Es gehörte meinem Mann, aber... er wurde krank und... er wollte zum Mittelmeer segeln, aber er hat nie... [Tränen treten in ihre Augen.] er ist gestorben... vor einem Monat ungefähr.

Desmond: [Mitfühlend] Das tut mir leid.

Libby: Ich möchte, daß Sie es nehmen.

Desmond: Ich... ich kann Ihr Boot nicht annehmen, Miss.

Libby: Doch das müssen Sie. Er würde es wollen.

Er starrt sie an, kann es nicht fassen.

Desmond: Wie war der Name Ihres Mannes?

Libby: David.

Desmond: Und wie hat er sein Boot genannt?

Libby: Elizabeth. Er hat es nach mir benannt.

Desmond: Dann... danke ich Ihnen, Elizabeth. Und ich werde dieses Rennen gewinnen... für die Liebe.

Libby lächelt.

Inselabschnitt

Sun und Sayid sitzen zusammen am Strand, als Jin zu ihnen hinübergeht und Sun auf Koreanisch anspricht.

Sun: [Zu Sayid] Würdest du uns mal kurz entschuldigen, bitte?

Sayid steht sofort auf.

Sayid: Ich geh runter zum Ufer.

Sun nickt, und Sayid läßt die beiden allein. Ihr Gespräch findet in untertiteltem Koreanisch statt.

Sun: Sayid möchte, daß du das Boot zur anderen Seite der Insel segelst, um Michael zu helfen.

Jin: Nein. Ich werde dich nicht verlassen. Nicht jetzt.

Sun: Du wirst mich auch nicht verlassen, Jin. Weil ich mitkommen werde.

Michael, Sawyer, Jack, Hurley und Kate bahnen sich ihren Weg durch den Dschungel. Michael führt den Trupp an. Sie gehen angespannt und schweigend.

Sawyer entdeckt plötzlich eine Puppe auf dem Boden, bleibt verwundert stehen, will sie aufheben. Doch Kate hält ihn hastig zurück

Kate: Denk nicht mal dran. Das ist eine Falle. Ein Netz. Rousseau hat sie überall auf der Insel verteilt.

Sawyer: Woher zum Teufel willst du das denn wissen?

Kate: Ich hab da irgendwie eine von ausgelöst, mit Jack. Wir endeten... wie auch immer. [Sawyer grinst plözlich, lacht amüsiert in sich hinein. Kate sieht ihn verwirrt an.] Was?

Sawyer: Als der Doc mir sagte, ihr wärt in ein Netz geraten, dachte ich, er meinte, äh... was anderes.

Kate: Und seit wann reden du und Jack über mich?

Irgendwo hinter ihnen im Gebüsch raschelt es. Und sie alle zucken zusammen, bleiben stehen, fahren herum, ziehen ihre Waffen.

Ein riesiger Vogel schwingt sich in die Luft und fliegt über ihre Köpfe hinweg. Michael zielt auf ihn, drückt ab. Drückt noch mal ab. und noch mal.

Doch seine Waffe feuert nicht. Michael starrt die Waffe an. Jack, der hinter ihm steht, verzieht ernüchtert das Gesicht.

Der Vogel verschwindet. Hurley starrt ihm nach, völlig geschockt.

Hurley: Hat dieser Vogel da gerade meinen Namen gerufen?

Sawyer: Ja, hat er... [Hurley starrt ihn an. Sawyer wird spöttisch.] kurz bevor er angefangen hat, Gold zu scheißen.

Michael starrt immer noch verwirrt seine Waffe an. Jack versucht sich herauszuwinden.

Jack: Tut mir leid, Mann. Ich hab wohl vergessen, die zu laden. Magst du mir das Magazin geben?

Michael wirft ihm einen grimmigen, fast mißtrauischen Blick zu, gibt ihm aber die Waffe, und Jack hat keine andere Wahl, als sie zu laden.

Charlie spaziert allein durch den Dschungel, er hört irgendwas, bleibt stehen, geht vorsichtig auf das Geräusch zu. Und entdeckt Locke, der vornübergebeugt gegen einen umgestürzten Baum gelehnt steht. Und verzweifelt weint.

Charlie: John... [Locke schrickt zusammen, fährt sich hastig mit der Hand über das Gesicht. Charlie kommt dichter.] Was ist mit deinem Gesicht passiert?

Auf Lockes Stirn prangt eine frische Wunde vom Kampf mit Eko.

Locke: Nichts. Mir geht's gut.

Charlie nickt nachdenklich, fast etwas spöttisch.

Charlie: Hey, äh... falls dich grad ein bißchen das Selbstmitleid quält, solltest du... vielleicht einen mit deinem Kumpel aus der Luke heben. Hab gehört, der ist auch gerade ein bißchen niedergeschlagen.

Locke: Was?

Charlie: Oh, stimmt ja. Du warst gar nicht bei der dramatischen Ankunft während der Beerdigung dabei. Ich glaube, er hat deinen Knopf ein bißchen zu oft gedrückt, wenn du mich fragst.

Locke: Desmond?

Charlie: Ja, Desmond. Ich bin sicher, ihr zwei habt euch eine Menge zu erzählen.

Charlie grinst, wieder auf diese seltsame, fast spöttische Weise, die er in letzter Zeit so oft an den Tag legt, wendet sich ab und läßt Locke hinter sich zurück.


Sayid bereitet ein aufblasbares Gummirettungsboot vom Segelboot für die Reise vor, beläd es mit benötigter Ausrüstung und einer Waffe. Jin und Sun kommen auf ihn zu. Beide abfahrbereit. Sayid steht auf.

Sayid: Tut mir leid, wenn das was ich sagte, für Verwirrung sorgte, aber... ich habe nur Jin gebeten, mitzukommen.

Sun: Du wirst jemanden zum übersetzen brauchen, und du brauchst wenigstens zwei Leute, die wissen, wie man segelt.

Sayid: Desmond hat das auch allein hingekriegt.

Sun: Und guck dir an, wohin ihn das geführt hat.

Sayid sagt nichts mehr. Und Sun legt ihr Gepäck zu allem anderen in das Gummiboot.

Claire kniet vor Aarons Wiege, drauf und dran, dem Kleinen eine der Spritzen zu geben. Desmond spricht sie an.

Desmond: Du verschwendest damit deine Zeit, Schwester. [Claire sieht auf.] Ich hab mir selbst 3 Jahre lang alle 9 Tage einen Schuß damit verpaßt. [Claire weiß nichts zu antworten, beobachtet ihn nur forschend. Desmond wirft einen Blick auf das Baby, lächelt.] Er ist ja allerliebst. Ist der... ist der Vater hier auf der Insel?

Claire: Nein. [Sie schüttelt den Kopf.] Nein, der ist schon lange weg. Er ist abgehauen, als ihm die ganze Situation ganz plötzlich Angst einjagte.

Desmond: Na ja, vielleicht wußte er, daß er ein... lausiger Vater sein würde. Dachte, er würde das beste für dich tun.

Claire: Er hat getan, was das beste für ihn war.

Desmond sieht sie an. Nun wieder grimmig. Und nachdenklich.

Rückblick

Desmond klappt den Kofferraum seines am Stadion geparkten Wagens auf und holt seine Laufschuhe heraus, bereitet sich auf sein Training vor. Hinter ihm fährt ein weiterer Wagen vor. Jack steigt aus, wirft Desmond kaum einen Blick zu, sondern wendet sich sofort den unzähligen Treppen zu, die wir ihn schon in Folge 2x01 haben laufen sehen.

Dann fährt ein dritter Wagen vor. Eine blonde Frau steigt aus. Sieht zu Desmond hinüber, kommt auf ihn zu, bleibt vor ihm stehen.

Desmond ist ganz erstarrt.

Desmond: Wie hast du mich gefunden?

Penelope: Dein Vermieter hat mir gesagt, daß du hier jeden Tag laufen gehst –

Desmond: Wie hast du mich gefunden...?

Penelope: [Nach einer beredten Pause.] Ich habe eine Menge Geld, Desmond. Mit genug Geld und Entschlossenheit, kann man jeden finden.

Die beiden sehen einander an. Beide betroffen, beide aufgewühlt und voller Schmerz.

Penelope: Hast du dein geliebtes Buch gelesen – das, das du dir aufgespart hattest...?

Desmond: Noch nicht...

Penelope: Ich dachte, du hättest es vielleicht gelesen, während du weg warst...

Desmond: Ich war im Gefängnis. Nicht weg.

Penelope: [Mit Tränen in den Augen.] Wieso hast du mir nicht geschrieben?

Er antwortet nicht darauf. Schluckt.

Desmond: Wann wirst du heiraten, Pen?

Penelope: Wir haben noch keinen Tag festgelegt.

Desmond: Ich werde in einem Jahr zurücksein.

Penelope: Was, wenn du jetzt gleich zurückbist?

Eine Träne tropft auf ihre Wange. Desmond tritt näher an sie heran, wischt sanft die Träne ab.

Desmond: Ich werde dieses Rennen gewinnen, Pen... sein Rennen. Und in einem Jahr, werde ich zurückkommen.

Penelope: Desmond, wovor läufst du weg?

Desmond: Ich muß meine Ehre wiedererlangen. Und dahin werde ich rennen.

Er weicht zurück, wendet sich ab, und läßt sie hinter sich zurück.

Inselabschnitt

Wieder ist es Nacht auf der Insel. Und wieder sitzt Desmond trinkend am Strand. Locke kommt zu ihm hinüber.

Locke: Also, was hat der eine Schneemann zum anderen gesagt?

Desmond sieht auf, lacht.

Desmond: "Riecht nach Karotten."

Locke schmunzelt.

Locke: Hallo, Desmond.

Desmond: Hallo gleichfalls, Karton-Mann.

Locke: [Streckt die Hand nach Desmonds Flasche aus.] Darf ich?

Desmond: Oh, ich bestehe drauf. [Er gibt ihm die Flasche, und Locke setzt sich zu ihm.] Dir ist es also gelungen, den Computer zu reparieren, was?

Locke: Die Welt ist immer noch da, oder?

Desmond: Da bin ich mir nicht so sicher, Bruder...

Locke: Frisch mal mein Gedächtnis auf, Desmond. Wie lange hattest du gesagt, wärst du unten in der Luke gewesen?

Desmond: Drei Jahre.

Locke: Desmond... was, wenn ich dir erzählen würde... daß all das, all diese Jahre, die du und all die anderen Männer vor dir da unten zugebracht haben, den Knopf gedrückt haben... was wenn ich dir sagen würde, das war alles umsonst?

Desmond: [Wenig amüsiert] Dann würde ich dich fragen, woher zum Teufel du so was wissen wollen würdest...?

Locke: [Ernst und eindringlich] Ich hab eine andere Luke gefunden. Eine weitere Station auf der Insel. Sie nannten sie "die Perle". Und ich hab da einen Film gesehen... einen Einweisungsfilm... und da hieß es, das alles, was in unserer Luke passieren würde... nicht echt sei. Daß es ein Test wäre. Ein psychologisches Experiment.

Desmond: [Tonlos] Du lügst.

Locke holt das Perle-Video aus seiner Tasche. Desmond starrt darauf und rührt sich nicht.

Locke: Hast du Lust auf einen Spaziergang? Ich mach auch Popcorn.

Desmond: Wenn du dir so sicher bist, daß es nicht echt ist, dann hör doch einfach auf, den Knopf zu drücken!

Locke: Tja, das habe ich, bloß daß unglücklicherweise jemand anderer sich entschloß, weiterzumachen. Also wirst du jetzt erst mal nüchtern. Und wir schlafen uns richtig schön aus, und morgen finden wir dann raus, was passieren wird, wenn der Knopf nicht gedrückt wird.

Desmond antwortet nicht.

Still und tief schwarz ist die Nacht im Dschungel. Hurley und Sawyer sitzen zusammen an einem kleinen Feuer. Sawyer zieht einen Riegel hervor, zeigt ihn Hurley.

Sawyer: Dharma-Müsliriegel?

Hurley: Nein danke. Keinen Hunger.

Sawyer: [Verblüfft] Ist das dein Ernst?

Hurley wirft ihm einen vielsagend mißbilligenden Blick zu.

Michael hat sich von den anderen entfernt, rennt ruhelos hin und her, sieht um sich, kann kaum stillstehen.

Jack taucht mit einer Fackel hinter ihm auf.

Jack: Hey, bist du okay?

Michael zuckt zusammen, fährt herum, versucht abzuwiegeln.

Michael: Ja, ich sammle nur noch ein bißchen Feuerholz. Mir ist nicht besonders warm.

Jack: Du solltest nicht allein hier draußen sein. Ich helfe dir.

Michael wirft ihm einen Blick zu.

Michael: Hey... danke, daß du mit hier rausgekommen bist, und deinen Hals für meinen Jungen riskierst.

Jack: [Betont gelassen] Zusammen leben, allein sterben, Mann.

Michael: [Leise.] Ja...


Das Segelboot mit Sayid, Jin und Sun ab Bord gleitet an der Küste entlang. Inzwischen ist es Morgen geworden. Sun steht an Deck, krümmt sich plötzlich zusammen und erbricht sich über die Reling. Besorgt eilt Jin an ihre Seite.

Jin: [Koreanisch] Ich hab dir doch gesagt, du sollst nicht mitkommen.

Sun: Ich bin nicht seekrank, Jin.

Jin: Ich weiß. [Er lächelt sacht. Sie ebenso. Doch nur kurz.] Es gibt da etwas, das du dir ansehen solltest.

Er deutet zur Küste hinüber. Sayid steht vorn am Bug und blickt mit dem Fernglas in dieselbe Richtung.

Dort am Ufer stakt ein überdimensionaler aus weißem Stein bestehender Fuß samt Unterschenkel in die Höhe. Riesengroß, meilenweit sichtbar. Sayid gibt Sun das Fernglas.

Sayid: Ich weiß nicht, was beunruhigender ist... die Tatsache, daß der Rest der Statue fehlt... oder, daß sie nur vier Zehen hat...

Eko sitzt allein in der Dharma-Station vor dem Computer und ritzt einen weiteren Bibelspruch in seinen Stab. Ringsum ist es still.

Plötzlich gehen die Lichter aus.

Eko greift nach einer Taschenlampe und macht sich auf die Suche nach der Ursache des Stromausfalls. Rasch entdeckt er eine fehlende Sicherung.

Und dann schnarrt eine Stimme aus den Lautsprechern. Zählt rückwärts, acht... sieben... sechs...

Locke und Desmond sind plötzlich im Computerraum. Desmond reibt hastig zwei Kabelenden aneinander und löst damit einen Einschluß aus. „Fünf... vier... drei... zwei... eins...“ schallt es aus dem Lautsprecher.

Tösend fahren die Schutztüren herunter. Schließen die beiden mit dem Computer ein. Und Eko aus.

Eko versucht in letzter Sekunde, seinen Stab unter eine der Türen zu schieben, doch Locke schnappt sich den Stab. Und die Tür fällt zu.

Geschockt und fassungslos schlägt Eko mit der Faut gegen die Tür.

Eko: John!

Locke, eingeschlossen mit dem Computer, ist völlig ungerührt, grinst Desmond an.

Locke: Netter Trick.

Eko: [Von draußen] John! John! Kannst du mich hören?! Mach auf!

Desmond: Ich hoffe, du bist dir deiner Sache sicher, Bruder.

Locke: Ich bin mir sicherer, als je zuvor in meinem Leben.

Eko: [Von draußen] John! Tu das nicht! John!

Der Timer steht auf 101:00 Minuten.

Desmond: Na gut dann, Kisten-Mann. Warten wir.

Rückblick

Ein heftiger Sturm wirft das Segelboot hin und her. Desmond kann sich kaum auf den Beinen halten. Längst hat er die Kontrolle über das Boot verloren. Er stürzt in die Kajüte, sucht nach seinem Charles-Dickens-Buch und hüllt es sorgfältig in Plastikfolie, steckt es tief in seine Jacke, klettert wieder an Deck und versucht einmal mehr, der gefährlichen Lage Herr zu werden. Doch es gelingt ihm nicht. Der Sturm ist zu heftig, Desmond verliert den Halt, stürzt, schlägt sich den Kopf an. Und bleibt reglos liegen.

Dann plötzlich ist er am Strand, angespült von nun wieder seichteren Wellen. Er ist kaum bei Bewußtsein, nimmt seine Umgebung nur verschwommen wahr, sieht nur verwackelte Formen und Bilder, darunter Figuren in gelben Schutzanzügen, die auf ihn zukommen, dann dichtes Gebüsch im Dschungel, und dann schließlich die Wände der Dharma-Station um sich herum.

Dort ist er auch, als er endlich wieder zu sich kommt. Und nur ein einziger Mann in gelbem Schutzanzug ist bei ihm. Diesen Mann haben wir schon einmal gesehen. Es ist der CIA-Funktionär aus Sayids letztem Rückblick. Inman. Kelvin Inman.

Er bemerkt, daß Desmond aufwacht, und beugt sich über sein Bett.

Kelvin: Bist du er?

Desmond: [Verwirrt] Was?

Kelvin: Was hat der eine Schneemann zum anderen gesagt?

Desmond: Wovon redest du? Wer bist du?

Kelvin: Ich bin Inman. Kelvin Inman.

Desmond: Was... was ist mit meinem Boot passiert?

Kelvin: Ich hab dich angespült am Strand gefunden. Da war kein Boot.

Der Alarm schrillt auf, und Leben kommt in Inman. Er läuft zum Computer hinüber und gibt die Zahlen ein, der Timer blättert zurück auf 108:00. Verwirrt lauscht Desmond all den seltsamen Geräuschen. Steht auf, schleppt sich aus dem Bett und hinüber ins Computerzimmer.

Desmond: Was hatte das alles eben zu bedeuten?

Kelvin: Nur die Welt retten.

Verwirrt sieht Desmond sich in der merkwürdigen Station um.


Als nächstes sehen wir Desmond angespannt vor dem Diaprojektor sitzen und den Einführungsfilm ansehen.

Dr. Candle: Nicht lange nach Beginn der Experimente jedoch, kam es zu einem... einem Zwischenfall. Und seit dieser Zeit, wurde das folgende Protokoll überwacht. Alle 108 Minuten muß die Taste gedrückt werden. Von dem Moment, wo der Alarm einsetzt, werden Sie 4 Minuten dafür haben, den Code in den Mikrocomputer-Prozessor einzugeben.

Hier endet die Filmspule, und Desmond nimmt sie vom Projektor. Inman legt ganz in der Nähe seinen gelben Schutzanzug an

Kelvin: Wie oft willst du dir das angucken?

Desmond: Wieso fehlen da Teile?

Kelvin: Radzinsky hat ein bißchen editiert.

Desmond: Wer ist Radzinsky?

Kelvin: Er war mein Partner.

Desmond: Und was ist mit ihm passiert?

Kelvin: Paß einfach auf, daß du das wieder zurück hinter "Turn of the Screw" stellst, wenn du fertig bist.

Desmond: Wieso trägst du den Anzug?

Kelvin: Damit ich mich da draußen nicht infiziere. [Er schnappt sich die Spritzpistole und den Impfstoff, hält sie Desmond hin.] Spritz dir alle neun Tage eine hiervon. Du warst schon eine Weile da draußen, ehe ich dich fand. Ich hoffe, es ist noch nicht zu spät.

Desmond starrt ihn an.

Inselabschnitt

Unten in der Dharma-Station trommelt Eko immer noch aufgebracht mit den Fäusten gegen die verschlossene Tür. Drinnen sitzen Locke und Desmond und rühren sich nicht. Desmond hat Ekos Stab entdeckt.

Eko: [Von draußen] John!

Desmond: Wer ist er, Kistenmann – der Mann, der da draußen an die Tür hämmert?

Locke: Sein Name ist Mr. Eko.

Desmond: Und wieso schleppt Mr. Eko einen Stab mit Bibelversen drauf mit sich herum?

Locke: Weil er ein Priester ist.

Eko: [Von draußen] Mach die Tür auf, bitte! Tu das nicht! John! Kannst du mich hören? Mach auf!

Desmond: [Entsetzt] Wir haben einen Priester ausgesperrt?

Locke sieht ihn nur an.

Eko hat genug. Er sucht nach einem anderen Weg, klettert die Leiter im Schacht hinauf, an deren Spitze die Tür mit der Aufschrift „Quarantäne“ befestigt war. Die verbeulte Tür liegt immer noch auf dem Dschungelboden. Eko betrachtet sie nachdenklich. Dann läuft er in Richtung Strand davon.


Charlie sitzt am Strand und spielt Gitarre. Eko stürzt auf ihn zu.

Eko: Charlie, ist dir bekannt, wie sie die Lukentür aufgekriegt haben?

Charlie: Nein, aber wenn du es mal summst, kann ich es bestimmt spielen...

Eko: Wie haben sie sie aufgekriegt... die Tür auf der "Quarantäne" steht?

Charlie: Sie haben sie aufgesprengt. Wieso?

Eko: Charlie, ich brauche deine Hilfe.

Charlie: [Spöttisch] Oh, jetzt stehe ich wieder in deiner Gunst, Vater?

Eko: Charlie, John hat mich aus der Luke ausgesperrt, und ich glaube, er tut das, weil er aufhören will, den Knopf zu drücken, und, Charlie, ich bin mir absolut sicher, daß wenn es ihm gelingt, in 90 Minuten alle auf dieser Insel sterben werden.

Charlie: [Schluckt und verliert seinen Spott] Na gut. Ich bin dabei. Bin dabei.

Eko: Danke. Komm schnell.

Sie machen sich hastig auf den Weg.

Die kleine Gruppe ist immer noch auf dem Weg durch den Dschungel, Sawyer geht voran, Michael mit seinem verletzten Arm in der Schlinge grimmig hinter ihm, dann Hurley, am Ende Jack und Kate.

Sawyer: Also diese anderen... denkst du die sind Überbleibsel von den Dharma-Gestalten?

Michael: Keine Ahnung, Mann...

Sawyer: Meine Theorie? Das sind Außerirdische. Darum haben sie diese falschen Bärte – ihre Köpfe bestehen aus Plastesen.

Hurley: Prothesen, Alter.

Sawyer: Du kannst nicht mal richtig schreiben und korrigierst mich jetzt? [Hurley verzieht das Gesicht, geht an Sawyer vorbei. Der wartet auf Kate.] Was denkst du denn, Sommersprosse?

Kate: [Leise] Geh einfach weiter. Wir werden verfolgt.

Sawyer: Was?

Kate bleibt stehen, läßt Jack und die anderen weitergehen, gibt vor, ihren Schuh neu zu binden. Sawyer bleibt bei ihr.

Kate: Lächle einfach weiter. Da sind mindestens zwei auf der anderen Seite des Flusses. [Sie deutet mit dem Kopf auf die andere Flußseite. Tatsächlich bewegen sich dort beigefarben gekleidete Gestalten zwischen den Büschen.] In etwa 5 Sekunden werde ich den Spieß umdrehen.

Schon zückt sie ihre Waffe, steht auf.

Sawyer: Wow, warte mal eine Sekunde...

Kate: Bist du dabei?

Natürlich ist Sawyer dabei, schnappt seine Waffe, legt an.

Als die Schüsse fallen, zucken Jack, Michael und Hurley zusammen, duken sich, fahren herum.

Jack: Kate!!!

Er rennt zurück zu Kate und Sawyer.

Sawyer trifft einen der Verfolger. Der andere sucht das Weite.

Kate: Er entkommt!

Sie will ihm nach. Die anderen überqueren den Fluß und rennen zu dem erschossenen. Michael ist wie vom Donner gerührt, sein Gesicht spiegelt nichts als verwirrte Verzweiflung.

Kate: Er ist tot. Wir müssen den anderen finden.

Schon wendet sie sich ab, will losstürmen.

Jack: Nein!

Kate: Ich gehe. Sawyer...

Jack: Ich hab nein gesagt!!

Kate bleibt widerwillig stehen, verzieht frustriert das Gesicht.

Sawyer fährt Jack aufgebracht an.

Sawyer: Bist du verrückt?! Wenn wir ihn gehenlassen, sagt er ihnen, daß wir kommen.

Jack ist nicht minder aufgebracht.

Jack: Es tut nichts zur Sache, ob wir ihn jetzt kriegen! [Sawyer und Kate starren ihn an. Jack sieht zu Michael hinüber. Er klingt nicht nur wütend und aufgebracht, sondern auch verzweifelt enttäuscht.] Sie sind schon längst gewarnt worden.

Sawyer: [Finster] Was meinst du damit, "gewarnt worden"?

Jack: Wieso sagst du es ihnen nicht, Michael?

Kate: Jack...

Michael: Ich weiß nicht wovon du redest –

Jack brüllt ihn an.

Jack: Hör auf zu lügen!!

Michael wagt es kaum, ihm oder einem von ihnen in die Augen zu sehen.

Jack: Sag's ihnen...

Michael: Sag ihnen was?

Jack stürzt sich auf ihn und drückt ihn heftig gegen einen Baum.

Jack: Ich weiß, was du tust, Michael! Jetzt sag ihnen die Wahrheit!

Michael: Jack...

Jack: Sag's ihnen!!

Fassungslos beobachten Kate, Sawyer und Hurley die Vorgänge. Starren Jack an, starren Michael an. Der klingt gebrochen und verzweifelt.

Michael: Es war der einzige Weg... Die haben mir eine Liste gegeben...

Jack: [Ihn noch immer gegen den Baum drückend] Was für eine Liste?

Michael: Da standen eure Namen drauf.

Sawyer starrt ihn an. Kate schluckt. Hurley muß sich haltsuchend an einem Baum abstützen.

Michael: Ich sollte euch alle 4 mitbringen, oder ich würde meinen Sohn nie wiedersehen!

Jack: Wer sind die?

Michael: Es ist wie ich gesagt habe. Die leben in einem Camp aus Hütten, und... ich schwöre das ist alles!

Kate: [Entsetzt] Du hast Henry gehenlassen...?

Michael zögert. Ehe er nickt.

Jack läßt von ihm ab, schnappt sich nur noch die Waffe, die in Michaels Hosenbund steckt.

Hurley starrt einen Moment lang vor sich auf den Boden. Wirft dann Michael einen Blick zu. Spricht ganz leise. Ganz fassungslos.

Hurley: Hast du sie umgebracht? Ana-Lucia... und Libby?

Michael antwortet nicht.

Hurley: Hast du?

Michael wagt kaum, ihn anzusehen.

Michael: Ich mußte, Mann. Ich... Gott, ich konnte keinen anderen Weg finden, und Libby war ein Versehen. Ich hatte keine Zeit, nachzudenken.

Hurley: Aber wenn du die Zeit gehabt hättest...

Es ist ganz still ringsum. Hurley hält sich immer noch am Baum fest.

Hurley: ...hättest du sie trotzdem noch getötet, stimmts nicht?

Michael: Es tut mir leid. Hörst du? Es tut mir leid. Tut mir leid. Ich... das ist mein Sohn!

Stille.

Dann...

Hurley: Ich geh zurück.

Schon wendet er sich ab.

Jack: Nein, Hurley. Hurley, das kannst du nicht!

Hurley: Sie werden uns alle umbringen, und du wußtest es! [Er starrt ihn an, fassungslos und aufgebracht] Und du hast uns trotzdem mitkommen lassen!

Auch Kate und Sawyer starren Jack an.

Jack: Es ist jetzt zu spät, um umzukehren, Hurley. Wir haben sie schon einmal dabei erwischt, wie sie uns folgten. Wenn sie nicht mehr glauben, daß wir Michael vertrauen, werden sie uns alle töten!

Michael wendet den Blick ab. Die anderen stehen ganz stumm und starr. Jack klingt verzweifelt.

Jack: Es tut mir leid, daß ich nichts gesagt habe. Aber ihr müßt wissen, daß ich euch nie hier rausbringen würde, wenn ich keinen Plan hätte.

Grimmig starrt Sawyer ihn an.

Sawyer: Was für einen Plan?


Sayid kniet an Deck des Segelbootes und spricht ein arabisches Gebet.

Sun steht hinter dem Steuer. Jin betrachtet die Küstenlinie durch das Fernglas und entdeckt plötzlich etwas.

Jin: Sayid! Da...

Sayid springt auf, läuft zu ihm und nimmt das Fernglas. Als er hindurchblickt, erkennt er hoch oben auf der felsigen Küste eine Steinformation, gleich einer Wand mit einem fast fensterförmigen Loch darin.

Sayid: Das ist der Felsen, den Michael beschrieben hat. Wir sind da.


Übersetzt von: Willow